Europas Krisen

Brexit - Union ohne Briten

Sorgen in der EU

Die Hälfte aller Unternehmen aus Nicht-EU-Staaten unterhalten ihre Europa-Verwaltungen in Großbritannien. Diese Zahl reduzierte sich nach einem Brexit deutlich. Speziell die internationalen Großbanken planen bereits für den Brexit. Für die Deutsche Bank ist London der Hauptstandort ihres Investmentzweigs, rund 9.000 Mitarbeiter hat sie dort. Man prüft Berichten zufolge, einen Großteil nach Frankfurt zu holen.

Auch bei Goldman Sachs, Credit Suisse, ING oder der Société Générale gibt es ähnliche Überlegungen. Die Jahre der Austrittsverhandlungn zwischen London und der EU werden für die Wirtschaft eine Phase der Unsicherheit. Die werde, so die Umfragen unter Experten, nicht nur die britischen, sondern auch ausländische Investoren vorübergehend von einem Engagement im Königreich abhalten.

Für EU-Unternehmen fallen, je nach Ausmaß der handelspolitischen Isolation des Vereinigten Königreichs, die Auswirkungen des Brexit deutlich geringer aus als auf ihre britischen Pendants. Für Deutschland rechnen Bertelsmann-Stiftung und ifo Institut mit einem Verlust von 0,1 bis 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den Jahren nach einem Austritt. Das entspricht zwischen 30 und 115 Euro pro Kopf und Jahr. Die Kfz-Branche, Elektronik, Lebensmittel und Metallerzeugung sind demnach am stärksten betroffen. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit Deutschland im Fall eines harten Brexit sogar Verluste von 0,5 Prozent - am schwersten träfe es von den verbleibenden EU-Staaten Irland, das bisher über die innerirische Grenze von einem weitgehend reibunslosen Verkehr von Personen, Waren und Dienstleistungen profitierte.

Harter Brexit: Prognostizierter Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP)

Harter Brexit: Prognostizierter Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP)
IMF

Die deutschen Schweinefleischexporte ins UK könnten einbrechen, für deutsche Fischer wären die Gewässer vor der britischen Küste tabu - mit schwerwiegenden Folgen.

In den Niederlanden, einem der nächsten Nachbarn der Briten, hat dasWirtschaftsministerium hat einen „Brexit-Scan“ entworfen, um Firmen vorzubereiten. Über den Hafen Rotterdam wird ein großes Handelsvolumen mit Großbritannien abgewickelt.