Europas Krisen

Brexit - Union ohne Briten

Ohne Großbritannien fehlt etwas

Großbritannien ist Nuklearmacht und liegt EU-weit nach Angaben von SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) bei den Rüstungsausgaben auf Platz zwei. Nur Frankreich investiert in Europa mehr in seine Streitkräfte. Nach einem Ausscheiden Großbritanniens aus der Union aus bliebe dies für die Verteidigung der EU zwar weitgehend folgenlos, da das Land nach wie vor NATO-Mitglied wäre. Gemeinsame militärische Missionen mit EU-Partnern werden aber unwahrscheinlicher.

Die britische Wirtschaft hatte 2014 einen Anteil von 16,7 Prozent am kombinierten Bruttoinlandsprodukt der EU. Das Herz der Finanzbranche schlägt in der Londoner City, eine Transplantation verliefe sicher nicht reibungslos, zumal Städte wie Frankfurt, Paris, Amsterdam und Dublin um Teile dieses Herzens streiten werden.

Auch der Publizist Timothy Garton-Ash sieht die Hauptdefizite einer EU ohne Großbritannien im wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Bereich.

Im EU-Haushalt werden nach einem Austritt Großbritanniens knapp zehn Prozent netto fehlen. Trotz "Briten-Rabatt" ist Großbritannien nach Deutschland und Frankreich der drittgrößte Nettozahler in den EU-Haushalt. 2014 etwa zahlten die Briten fast fünf Milliarden Euro mehr in die EU ein als sie erhielten. Fallen die Briten aus, muss neu über die Finanzierung des EU-Budgets verhandelt werden.

Soll der EU-Haushalt nicht gekürzt werden, müssen die anderen Nettozahler die Lücken füllen, allen voran also Deutschland als wirtschaftsstärkstes Mitglied. Wie viel Geld Deutschland zusätzlich nach Brüssel überweisen muss, ist abhängig von Verhandlungen und lässt sich deshalb vorher nicht exakt beziffern. Ein Betrag von 2,5 Milliarden Euro zusätzlich im Jahr gilt unter Experten aber nicht als unrealistisch.