Europas Krisen

Brexit - Union ohne Briten

Eine turbulente Beziehung mit der Insel

Großbritanniens Annäherung an den Vorläufer der EU, die EWG, verlief stockend und keineswegs voller Begeisterung für die Idee eines vereinigten Europas. Aber auch die europäischen Partner waren nicht alle sofort begeistert von der Idee, das politische und kulturelle Schwergewicht mit am Tisch zu haben.

1961

Premierminister Harold Macmillan erklärt im House of Commons, dass Großbritannien wegen der Krise der britischen Wirtschaft und des britischen Exports der EWG beitreten müsse. Das Unterhaus stimmt nach langer Debatte zu, am 10. August stellt Großbritannien den Aufnahmeantrag.

1963

Der französische Präsident De Gaulle legt ein Veto ein aus Angst, Frankreich könne seine Rolle als Führungsmacht in Europa verlieren. Zu diesem Zeitpunkt spricht sich in Umfragen weniger als ein Drittel der Briten für einen Beitritt aus.

1967

Regierungswechsel in London: Labour-Premier Harold Wilson, der immer gegen einen EWG-Beitritt gewesen war, stellt unter dem Druck der Wirtschaftskrise seines Landes erneut einen Aufnahmeantrag. Er scheitert wieder am Veto De Gaulles, der harte Bedingungen für eine Aufnahme Großbritanniens stellt.

1973

Großbritannien wird in die EWG aufgenommen und fordert innerhalb weniger Monate deutliche Veränderungen der Gemeinsamen Agrarpolitik und eine “fairere Verteilung” der Haushaltsbeiträge.

1975

Referendum über den Verbleib in der EWG. Harold Wilsons Labour-Regierung ist gespalten, zwei Drittel der Wähler votieren für den Verbleib.

1984

Großbritanniens Beiträge zum EG-Haushalt werden “rabattiert”, nachdem Premierministerin Margaret Thatcher mit Zahlungsstopp gedroht hat. “We are simply asking to have our own money back”, so ihre berühmt gewordene Forderung.

1992

Großbritannien muss den Europäischen Währungsmechanismus verlassen, mit dem eine gemeinsame europäische Währung vorbereitet werden soll. Grundsätzlich bleibt die Tür aber offen für Großbritannien, dem Währungsverbund zu einem späteren Zeitpunkt noch beizutreten. Der britische Premier John Major unterzeichnet den Maastricht-Vertrag, der eine engere Kooperation der EU-Staaten in der Außen- und Sicherheitspolitik festschreibt. Aus der gemeinsamen Währung und der Sozialcharta optiert Großbritannien aber aus.

1993

Premier John Major kann sich an der Parteispitze behaupten, nachdem Hinterbänkler seiner Tory-Partei ihn wegen der Unterzeichnung des Maastricht-Vertrags stürzen wollten.

1999

Bilaterale Spannungen zwischen Großbritannien und Frankreich, nachdem Frankreich im Zuge des Ausbruchs der Rinderseuche BSE den Import von britischem Rindfleisch stoppt. Trotz Intervention der Europäischen Kommission vergehen Jahre, bis Frankreich wieder Rindfleisch von der Insel ins Land lässt.

2004

Der britische Premier Tony Blair und insbesondere Frankreichs Präsident Jacques Chirac vertreten deutlich konträre Ansichten zu einer europäischen Verfassung. Frankreich sieht in den zahlreichen britischen Sonderregelungen die Gefahr eines „Europa der zwei Geschwindigkeiten“. Letztlich scheitert die Verfassung an der Ablehnung der Verfassung durch die französischen und niederländischen Wähler in Referenden.

2011

Der britische Premier David Cameron vertritt völlig andere Vorstellungen über Abgaben für Banken und eine engere Überwachung der Finanztransaktionen in der Londoner City und verspricht der britischen Nation, wieder mehr Befugnisse von Brüssel ins Parlament in Westminster zurückzuholen.

2016

Die britischen Wähler sprechen sich in einem Referendum für einen Austritt aus der Europäischen Union aus. Premier Cameron tritt zurück, seine Nachfolgerin Theresa May kündigt die Aufnahme der Austrittsverhandlungen für spätestens März 2017 an.